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Freiburger Wochenbericht: „Das hat der OB verhindert“

OB-Wahl und die Rolle der Jungwähler: Politikexperte Michael Wehner im Gespräch

Am 22. April wählen Freiburger- innen und Freiburger ihren Oberbürgermeister. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige ihren Wahlzettel abgeben. Welche Rolle spielen diese Erstwähler? Darüber sprach Sven Meyer mit Michael Wehner, dem Leiter der Freiburger Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung.

Herr Wehner, bei der Oberbürgermeisterwahl sind auch Freiburger ab 16 wahlberechtigt. Wie politisch sind die Teenager von heute generell?

Michael Wehner: Wenn man die Zahlen der Shell-Studie aus dem Jahr 2015 zugrundelegt, steigt das Interesse von Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren seit 2002 deutlich an: 40 von 100 Jugendlichen interessieren sich wieder für Politik. Gesunken ist dabei allerdings das Vertrauen in Parteien und Politiker. Aber man will sich vermehrt informieren und einmischen.

Bei Kommunalpolitik wird es da wohl etwas schwieriger: Vermutlich wird die Zahl der jungen Wähler bedeutend geringer sein als die der älteren Jahrgänge. Oder könnten die Jungen bei der OB-Wahl zum wichtigen Faktor werden?

Wehner: Bei der OB-Wahl dieses Jahr dürfen ja erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen. Bei rund 172.000 Wahlberechtigten sind das zwar nur zirka 2.500 Personen, aber die Anzahl der unter 30-jährigen Wahlberechtigten ist gewachsen. Sie machen eine relevante Wählergruppe aus, auch wenn deren Wahlbeteiligung im Vergleich zu andere Altersgruppen geringer ist.

Wie kann man speziell das Interesse der Jugend an Politik wecken?

Wehner: Durch politische Bildung in Schulen, Jugendgruppen und Elternhäusern. Durch jugendgerechte Zugänge wie zum Beispiel den Wahl-O-Mat/Kandidat-O-Mat, den der Oberbürgermeister leider verhindert hat. Durch spezielle Erstwählerveranstaltungen und Informationskampagnen an Schulen. Durch Berücksichtigung jugendpolitischer Themen und Präsentation junger Kandidierender.

Welche Themen sind für junge Wähler besonders wichtig?

Wehner: Naheliegenderweise sind dies erst einmal Themen, die in ihrem Lebensalltag eine Rolle spielen und sie selbst betreffen, wie zum Beispiel Bildungsangebote und Freizeitmöglichkeiten, Jugendtreffs, ÖPNV und jugendgerechte Mobilität, aber auch Gerechtigkeitsfragen wie Sozial- und Wohnungspolitik sind für junge Menschen von besonderer Bedeutsamkeit.

Ist Ihr Eindruck, dass die Freiburger Kandidaten genügend auf diese Wähler eingehen?

Wehner: Die Programme aller Kandidierenden erwecken zumindest nicht den Eindruck, dass bei ihnen Jugendpolitik zu den obersten Prioritäten gehört. Immerhin erwähnt Monika Stein explizit Kinder- und Jugendbeteiligung in ihrem Programm und fordert deren Ausbau.

Quelle: https://www.freiburger-wochenbericht.de