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Der Sonntag: Jetzt ist die Kavallerie da

Neue Unterstützer und Kritiker, neue Bedingungen: Der OB-Wahlkampf bleibt spannend.

Der so spannende wie auch eigenartige Kampf um den OB-Sessel im Freiburger Rathaus geht in die letzte Woche, das Tempo hat zugenommen – und die Ereignisse von dieser Woche haben die Karten noch mal neu gemischt.

 Seit gestern ist die Kavallerie unterwegs, wie es die Grünen-Kreisvorsitzende Ella Müller am Donnerstag auf einer flugs einberufenen Mitgliederversammlung verkündete. Prominente Grüne eilen jetzt nach Freiburg, um dort für den grünen OB zu werben, dessen Wiederwahl wackelt. Cem Özdemir, der frühere Vorsitzende der Bundesgrünen machte gestern den Auftakt und äußerte nach einer Aufzählung salomonscher Leistungen demonstratives Erstaunen. „Und so einen Oberbürgermeister wollen hier einige nicht mehr haben? Das kann doch nicht sein.“

Was in Freiburg nicht sein kann und was doch, wagt seit dem überraschenden Coup des von der SPD unterstützen Martin Horn im ersten Wahlgang keiner mehr zu sagen. Das anfänglich dröge Schaulaufen hat sich zu einem ungewöhnlichen Dreikampf entwickelt. Es ist der einer selbstbewussten Monika Stein, die es mit geschickter Auswahl von Themen und Zielgruppen geschafft hat, die Linke und Freiburgs alternative Szenen erfolgreicher zu vereinen, als je ein Kandidat zuvor. Es ist der Kampf des aus dem Nichts gekommenen Martin Horn, der viele Herzen im Sturm erobert hat, mit seiner quirligen Art, mit unermüdlichem Fleiß, mit Präsenz. Weniger dagegen mit festen politischen Positionen, was ihm aber wenig macht, da seine Fans da ohnehin nicht so sehr ins Detail gehen, sondern lieber Wechselstimmung atmen wollen. Und es ist der Kampf des Amtsinhabers, der zwar auf eine ausgezeichnete Entwicklung der Stadt verweisen kann, darüber allerdings nicht gemerkt hat, wie sich mit der Stadt auch die Gesellschaft und die Art der politischen Debatten verändert haben. Und der jetzt weiß: „Weiter so“ ist nicht genug.

Entschieden ist aber noch nichts. Am Mittwoch gab die für das linke Bündnis antretende Monika Stein bekannt, auch im zweiten Wahlgang ins Rennen zu gehen. Es war eine Absage an eine schlichte „Salomon muss weg“-Strategie und eine Besinnung auf Konsequenz. „Unsere Inhalte bringen wir nur durch, wenn wir wieder kandidieren.“ Im ersten Wahlgang hatte Stein 26,2 Prozent erreicht, dass sie in der Grünen-Hochburg Vauban siegte, deutet auch auf Denkzettel-Wähler aus den Reihen der Grünen hin – ob die das Ergebnis des ersten Wahlgangs nun erschreckt hat oder ob sie auf Kurs bleiben, wird man sehen. In jedem Fall bindet Monika Stein Stimmen, die sonst ins Horn-Lager hätten wandern können. Inwieweit Gespräche mit Horn und Salomon ihre Entscheidung beeinflusst haben, darüber gab die 48-jährige Lehrerin keine Details bekannt.

Zeitgleich landete in den Redaktionen die Meldung des CDU-Kreisverbandes, jetzt doch zur Unterstützung von Amtsinhaber Salomon aufzurufen. „Wir haben entschieden, dass wir uns da jetzt nicht mehr raushalten können“, sagt Kreisvorsitzender Peter Kleefass gegenüber dem Sonntag . Der CDU gehe es nicht darum, einen grünen Kandidaten zu unterstützen. „Aber wir sehen in der Politik des Amtsinhabers noch die meisten Übereinstimmungen mit unseren Positionen.“ Dagegen bereite ihm Sorge, sagt Kleefass, mit welchen „oberflächliche Aussagen“ der Kandidat der SPD auf Stimmenfang gehe. Kommende Woche will die CDU mit Flugblättern in allen Haushalten werben.

Aber auch Martin Horn hat neue Unterstützer. Der Vorstand der Freiburger FDP hat sich nach „konstruktiven und ermutigenden Begegnungen mit Horn“ entschieden, für den 33-Jährigen zu werben und damit nach Meinung der Liberalen für den Wechsel. „Mit Martin Horn haben die Wählerinnen und Wähler einen Kandidaten, der frischen Wind in die Freiburger Politik bringen kann“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Tatsächlich hat Martin Horn ein stabiles Fundament. Im Schnitt erhielt er in den Stadtteilen zwischen 30 und 40 Prozent, im Gesamtergebnis ist er fünf Prozent besser als es vor acht Jahren SPD-Kandidat Ulrich von Kirchbach war, den – ganz im Gegensatz zu Horn – schon vorher jeder in Freiburg kannte.

Von Horn distanziert hat sich dagegen Freiburgs neuer Finanzbürgermeister Stefan Breiter (CDU). Horn habe mehrfach geäußert, dass ein Wechsel anstehe, mit einem Team, zu dem auch Breiter und die neue Wirtschaftsförderin Hannah Böhme gehörte, so Breiter am Freitag in einer Pressemitteilung. Damit spiegle Horn eine Verbindung mit Frau Böhme und ihm vor, kritisiert er: „Hiermit möchte ich klarstellen, dass das nicht zutrifft.“ Es ist wahrscheinlich, dass die OB-Wahl, wie immer sie ausgeht, neue Gräben in der politischen Landschaft der Stadt hinterlassen wird.

Und Dieter Salomon? Der amtierende OB geht mit erneuerter Kampagne in die letzte Woche, neue Fotos für Anzeigen und Plakate zeigen ihn jetzt ohne Anzug und dafür im Gespräch mit Menschen. Heute hilft ihm Claudia Roth beim Wahlkampf, kommende Woche will Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf dem Rathausplatz für Salomon werben. Auch in den sozialen Netzwerken will man noch präsenter werden.

Nichts mehr mit der Wahl zu tun haben Stephan Wermter (2,6 Prozent) und Manfred Kröber (1,4 Prozent), beide haben vor dem zweiten Wahlgang zurückgezogen. Der parteilose Anton Behringer hingegen will als Alternative zum Dreikampf weiter antreten, mit 3,7 Prozent hat er das beste Ergebnis der Einzelkämpfer eingefahren.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ob-wahlkampf-jetzt-ist-die-kavallerie-da–152061327.html